Parodontologie

Die Parodontologie befasst sich mit allen Strukturen rund um den Zahn. Dazu gehören die Mundschleimhaut, das Zahnfleisch, der Zahnhalteapparat und der umliegende Knochen.
Meine Aufgabe als Parodontologin besteht in der Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Zahnbetterkrankungen – ganz besonders der Prävention.

Die Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die zunächst keine Schmerzen verursacht. Ihr schleichender Verlauf bleibt für den Laien oft lange unerkannt. Um sicher zu gehen, sollte man den Zustand des Zahnfleisches regelmäßig überprüfen lassen. Dies empfiehlt sich auch dann, wenn keine akuten Beschwerden bestehen. Die 2006 erschienene Mundgesundheitsstudie IV hat gezeigt, dass rund 20% der 35- bis 44-Jährigen und 40% der 65- bis 74-Jährigen unter einer fortgeschrittenen Parodontitis leiden.

Hauptursache für die Parodontitis, im Volksmund auch als „Parodontose“ bezeichnet, ist der Zahnbelag (Plaque). Der besteht aus Bakterien, die sich zwischen den Zähnen und am Zahnfleischrand festsetzen, um dann unter das Zahnfleisch vorzudringen. Die Bakterien rufen Entzündungen hervor. Das Zahnfleisch schwillt an und blutet, es bilden sich Zahnfleischtaschen. Die können sich so weit vertiefen, dass der Kieferknochen angegriffen wird. Schlimmstenfalls können sogar die Zähne ausfallen.

Symptome, die auf eine Parodontitis hinweisen, sind:

Neueste Erkenntnisse der modernen Zahnmedizin zeigen, dass die Entstehung und der Verlauf der Parodontits durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Bei jedem Patienten sind die Ursachen unterschiedlich. In der Regel sind es mehrere Faktoren, die im Verbund zu Erkrankungen des Zahnhalteapparates führen können. Die Rolle der bakteriellen Zahnbeläge (Plaque) als wichtigster ursächlicher Faktor für die Parodontitis ist jedoch unbestritten.

Wegen der allgemeinmedizinischen Zusammenhänge ist häufig eine intensive Zusammenarbeit mit Internisten, Diabetologen, Kardiologen, Gynäkologen, Rauchertherapeuten und Ernährungsberatern erforderlich.

Weitere Erkrankungen, die in Zusammenhang mit der Parodontitis stehen, sind:

Rauchen

Bei Rauchern besteht ein bis zu 7-fach erhöhtes Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken.

Vor allem das starke Rauchen von über zehn Zigaretten pro Tag fördert die Entstehung der Parodontits. Durch das hochgiftige Kohlenmonoxid, das eine höhere Affinität zum Hämoglobin hat als der lebensnotwendige Sauerstoff, kommt es zu einer verminderten Sauerstoffzufuhr. Damit kommt es auch zu einer unzureichenden peripheren Versorgung, die aufgrund der Wirkungen des Nikotins zusätzlich auftretende Verengung der Blutgefäße wird noch verstärkt. Problematisch bei Rauchern ist zusätzlich, dass die Zahnfleischentzündung aufgrund der peripheren Durchblutungsstörungen lange ohne das ansonsten charakteristische Bluten verläuft und so vom Patienten erst spät entdeckt wird.

Des weiteren haben wissenschaftliche Studien der letzten Jahre gezeigt, dass durch das Rauchen die Funktion vieler Abwehrzellen gestört ist. Diese Störung hat eine erhöhte Anfälligkeit von Rauchern für eine Parodontitis zur Folge.

Diabetes mellitus

Bei Diabetikern besteht ein bis zu 3-fach erhöhtes Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken.

Heute ist weitgehend bekannt, dass nahezu jeder schlecht eingestellte Diabetiker an einer Parodontitis leidet. Im Fall einer Diabetikerkrankung ist der Zahnhalteapparat durch den dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel sowie die daraus resultierenden Gefäßerkrankungen belastet. Des weiteren ist die Regenerationsfähigkeit infolge eines geschwächten Immunssystems reduziert. Weitere klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass umgekehrt eine Parodontitiserkrankung die Einstellung der Blutzuckerwerte erschwert, denn die Entzündungen im Mund erhöhen die Insulinresistenz der Zellen und verschlechtern so den Blutzuckerwert. Die Parodontitis ist mittlerweile als sechste klassische Folgeerkrankung der Diabetes anerkannt. Die Vorbeugung und Behandlung von Entzündungen des Zahnhalteapparates nimmt heute bei der Therapie der Diabetes einen besonderen Stellenwert ein. Zahnmediziner und Diabetologen können aufeinander abgestimmte Vorbeuge- und Therapiekonzepte entwickeln, um beide Erkrankungen einzudämmen und Folgerisiken zu verringern.

Erbliche Faktoren

Besonders die aggressive Form der Parodontitis, die schon im jugendlichen Alter auftreten kann, ist vererblich.

In solchen Fällen sollten alle Familienmitglieder untersucht und entsprechend behandelt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahre haben Stellen im Erbmaterial (DNS) lokalisiert, die für die Produktion von Interleukinen (Botenstoffen, die die Abwehrzellen steuern) zuständig sind. Ist eines dieser Gene verändert, besteht ein um ein Vielfaches erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu bekommen.

Stress

Berufliche oder private Überbelastung (Stress) kann den Verlauf einer Parodontitis negativ beeinflussen.

Verschiedene Untersuchungen haben aufzeigen können, dass gerade in oder nach Stressphasen gehäuft akute Schübe mit Zahnfleischbluten vorkommen.

Immunstörungen

Große Bedeutung für die Parodontits hat das Immunsystem. Der gesunde menschliche Organismus verfügt über eine komplexe Immunabwehr,

die ihn vor körperfremden Substanzen (wie schädlichen Bakterien oder Viren) schützt. Ist das Abwehrsystem allerdings gestört, kann der Körper sich nicht ausreichend gegen Entzündungen und Infektionen zur Wehr setzen. Wird ein geschwächtes Immunsystem nicht stabilisiert, ist eine erfolgreiche Therapie der Parodontitis in aller Regel dauerhaft nicht möglich.

Krankheiten

Weitere Erkrankungen, die in Zusammenhang mit der Parodontitis stehen, sind:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Angina pectoris, Herzinfarkt, Endokarditis (bei Patienten mit Parodontitis besteht ein bis zu 2-fach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Hirnschlag (bei Patienten mit Parodontitis besteht ein bis zu 3-fach erhöhtes Risiko für einen Hirnschlag)
  • Frühgeburten und erniedrigtes Geburtsgewicht (bei Schwangeren mit  Parodontitis besteht ein bis zu 7-fach erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt und ein erniedrigtes Geburtsgewicht des Kindes)

Ziel der parodontalen Behandlung ist, Knochenabbau und Zahnverlust zu vermeiden. Dafür werden die Zähne systematisch und gründlich gereinigt – auch und gerade dort, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. der Zahnfleischtaschen gemessen. Zusätzlich kann ein subgingivaler Bakterientest mittels real-time-PCR oder eine parodontale Risikobestimmung durch Gentest (GenoType(r)PST plus) erfolgen.

In Anschluß an die Eingangsuntersuchungen erklären wir Ihnen die Ergebnisse der Diagnostik und veranschaulichen sie mit Hilfe der Dokumentationen. Wir zeigen die Möglichkeiten einer zielgerichteten Therapie auf, die wir mit Ihnen ausführlich besprechen. Gerne können Sie hierzu Ihre Fragen und persönlichen Anliegen mit einbringen.

Die Parodontalbehandlung erfolgt unter örtlicher Betäubung und ist somit völlig schmerzfrei. Bei der Behandlung wird eine sorgfältige und schonende Reinigung der Wurzeloberflächen in der Tiefe der parodontalen Tasche mit Piezoinstrumenten und Handküretten durchgeführt. Dabei wird der sogenannte Biofilm, der die Parodontitis-Bakterien enthält, aus den Zahnfleischtaschen entfernt. Desweitern werden iatrogene Reizursachen für das Zahnfleisch (wie überstehende Füllungsränder o.ä.) entfernt, um einen hygienefähigen Zustand herzustellen. Abhängig von der Tiefe der Zahnfleischtaschen kommen verschiedene nichtchirurgische und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten in Betracht, um die Wurzeloberfläche zu reinigen.

Nach der Behandlung der Parodontitis ist es wichtig, die Zähne regelmäßig professionell zu reinigen (PZR). Das biete ich in meiner Prophylaxeabteilung an. Eine speziell ausgebildete Dentalhygienikerin beseitigt regelmäßig auch die unsichtbaren Beläge der Zähne. Sie zeigt Ihnen zudem, was Sie zuhause für Ihre Zahngesundheit tun können – über das tägliche Zähneputzen hinaus.